Vom Feuer zur Feuerwehr

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Vom Feuer zur Feuerwehr

Die Geschichte des Feuerlöschwesens bis 1934 unter besonderer Berücksichtigung des Amtes Till

In früheren Zeiten standen die Menschen dem Ausbruch eines Feuers meist hilflos gegenüber, sodass viel zu oft Haus und Hof ein Opfer der Flammen wurden. Doch gab es immer wieder Bemühungen, den Brandschutz und das Feuerlöschwesen gerade im ländlichen Bereich zu verbessern.

Große Brände in Deutschland, wie in Hamburg 1842 und im Karlsruher Schloss­theater 1847 puschten die Entwicklung des Löschwesens vorwärts. Es wurde immer wichtiger, auch in ländlichen Gemeinden, Vorkehrungen zur Bekämpfung von Bränden zu treffen. Nachdem in Nachbarkommunen bereits Feuerwehren gegründet waren, musste auch in der Bürgermeisterei Till (heute Gemeinde Bedburg-Hau) etwas geschehen. Insbesondere die Feuerversicherungen drängten auf Lösungen, da die entstandenen Schäden erheblich waren.

Und so wurde empfohlen, zuerst in Moyland, Louisendorf und Qualburg jeweils eine Feuerspritze zu stationieren (1888). Die Gemeinden wehrten sich zunächst, die Kosten hierfür zu übernehmen. Erst 1902 kam Bewegung in die Sache, und die ersten Druckfeuerspritzen wurden angeschafft. Außerdem mussten nun auch Bedienungsmannschaften bereitgestellt werden.

Zum ersten Einsatz so einer Feuerspritze kam es auf dem Hof „Kleine Entenhorst“ am Rande des Moyländer Waldes. Erst spät wurde ein Knecht zum Rentmeister nach Schloss Moyland geschickt, denn dieser war für den Einsatz der Rettungshelfer zuständig. Der Rentmeister setzte eine Mannschaft für die Bedienung der Feuer­spritze ein. Die Spritze stand aber im Ort Till. Bis alles vor Ort einsatzbereit war, war über eine Stunde vergangen. War noch was zu retten?

Bei einem Brand in einer Schreinerei in Hasselt zeigt sich die Hilflosigkeit der Betroffenen. In spärlicher Bekleidung war es der Familie geglückt, mit ihrem fünf Monate alten Säugling durchs Fenster ins Freie zu entkommen. Zunächst hatte der Ehemann geglaubt, da seine Frau Geräusche gehört hätte, als seien Einbrecher am Werke. War das Feuer noch zu löschen? Was sagte die Versicherung?

Die Feuerspritzen mussten auch regelmäßig inspiziert werden. Waren sie noch einsatzfähig? Interessierte es jemand, ob das Gerät einsatzfähig war? Kannte man sich mit Pflege der Spritze aus? Später standen viele Spritzen jahrelang irgendwo herum, oftmals ohne dass jemand bedienen konnte.

Neue Verordnungen traten in Kraft. Alles wurde im Detail geregelt. In den Flächengemeinden war die Bildung einer freiwilligen Feuerwehr unmöglich. Weiterhin konnten viele Brände nicht gelöscht werden, weil Mannschaft und Material fehlten. Die Gebäude brannten völlig nieder. Die Sachschäden waren erheblich. Die Versicherungen weigerten sich oft, die Kosten zu übernehmen.

Doch 1924 wurde man auch im Amt Till aktiv. Es wurden vom Bürgermeister mögliche Interessenten für eine Wehr angeschrieben. Zur Versammlung erschienen 22 Bürger, die eine freiwillige Feuerwehr gründeten und diese als Gemeinde- und Schutzwehr der hiesigen Polizeiverwaltung unterstellten. Doch der erfreuliche Beginn verebbte. Erst 1934 kam es zur Neugründung der Feuerwehr im Amtsbezirk Till aufgrund des neuen Gesetzes über das Feuerlöschwesen.

Viele Brände wurden ausführlich dokumentiert in schriftlichen Protokollen mit Aussagen von Betroffenen und Zeugen. Der Leser erfährt, ob die Brandursache aufgeklärt wurde und ob es Unglücksfall, Brandstiftung oder eine „warme Sanierung“ war. Häufig beklagten sich Geschädigte über zu geringe Entschädigungen. Es gab Streitereien über Einsatzkosten der Nachbarfeuerwehren, wenn sie zum Brand geeilt waren. Langwierig wurde gestritten: Waren die auswärtigen Feuerwehren zuständig? Waren sie berechtigt, bei der Brand­bekämpfung zu helfen?

Peter Thomas, langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter des Geschichtsvereins Bedburg-Hau e.V., berichtet über die Entwicklung des Feuerlöschwesens in der Bürgermeisterei Till bis 1934, dem Gründungsjahr der heutigen Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Bedburg-Hau.

Sorgfältig wurden von ihm die Protokolle von Gemeinderatssitzungen und viele Akten im Gemeindearchiv Bedburg-Hau intensiv gesichtet und durchgearbeitet. Vieles was uns heute betroffen und nachdenklich macht, manches, was uns auch schmunzeln lässt, sind leseleicht vom Autor dargestellt. Auch bisher Unbekanntes konnte der Verfasser zutage fördern. Beispielsweise war völlig in Vergessen­heit geraten, dass schon im Herbst 1924 ein Versuch zur Gründung einer Feuerwehr übernommen worden war.

 

Peter Thomas: Vom Feuer zur Feuerwehr. Die Geschichte des Feuer­löschwesens bis 1934 unter besonderer Berücksichtigung des Amtes Till
Hrsg.: Geschichtsverein Bedburg-Hau e.V. Bedburg-Hau 2021.

ISBN: 978-3-00-069383-0 – 231 Seiten, 135 Abbildungen

18,– Euro (erhältlich an der Infotheke im Rathaus der Gemeinde Bedburg-Hau)